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"Das Lächeln der Macht"
Johan Simons, Regisseur, Amsterdam (10 Tage)
Gründer und Regisseur der international bekannten
Theatergruppe Hollandia. Simons inszeniert zeitgenössische
Autoren wie Heiner Müller, Herbert Achternbusch, Tankred
Dorst, griechische Tragödien von Aischylos und Euripides
und verarbeitet reale Texte - Interviews, Vorträge und Zeitungsartikel
- zu Theaterstücken. Die widersprüchlichen Beziehungen
von Natur zu Zivilisation und von Peripherie zu Zentrum sind oft
Thema seiner Theaterarbeiten. Berühmt wurden die 'site specific'-Projekte
der Gruppe: Inszenierungen u.a. in Fabriken, Schleusen oder Gewächshäusern.
Johan Simons' Kurs ist eng verbunden mit Zwei Stimmen, der Eröffnungs-Veranstaltung
der Akademie, in der vier von Pasolini entworfene Portraits zeitgenössischer
Führungspersönlichkeiten mit einer fünften kombiniert
werden: der des Vorstandsvorsitzenden von Shell, Cor Herkströter,
der die moralischen Dilemmata und die soziale Verantwortung multinationaler
Konzerne reflektiert. Der Text dieser 'Figur' ist aus Reden und
Artikeln des Shell-Direktors zusammengestellt. Johan Simons wird
sich in seinem Kurs mit demselben Thema beschäftigen: Moral
und Macht. Die Teilnehmer des Workshops sollen Reden oder Texte
von politischen Führungspersönlichkeiten, Managern oder
anderen Männern oder Frauen in Machtpositionen ihres Landes
mitbringen. Die Theatralität dieser Texte wird untersucht
und die Kursteilnehmer werden sowohl unpassende wie passende Orte
in der Umgebung von Bochum suchen, an denen diese Texte aufgeführt
werden können.
"Die Welt ist oft eine recht unangenehme
Institution" Tamás Ascher, Regisseur, Kaposvár
(17 Tage)
Ausbildung an der Theaterakademie in Budapest,
seit 1975 Inszenierungen am Csiky Gergely-Theater in Kaposvár,
dessen künstlerischer Leiter Ascher ist. Er führt Regie
im klassischen wie zeitgenössischen Schauspiel, im Musiktheater
und an der Oper. Seit 1983 arbeitet er als Regisseur am berühmten
Katona Jozsef-Theater des Intendanten Gábor Zsámbéki
und inszeniert regelmäßig im Ausland, u.a. in Lyon,
Helsinki und am Akademietheater in Wien. Tamás Aschers
Produktionen sind international auf diversen Festivals zu sehen.
Ascher ist Mentor und Bezugsperson auch für die jüngere
Generation der Theatermacher in Ungarn. Er unterrichtet an der
Budapester Theaterakademie und trifft sich jeden Sommer mit einer
Gruppe junger Theaterleute und solchen, die es werden wollen,
auf dem Land zu einem intensiven Arbeitsmonat.
"Ein Theaterstück ist Material
für die Inspiration, es kann etwas völlig Neues daraus
entstehen. Mich zieht die groteske Seite der Klassiker und modernen
Klassiker an: passen wir mit unserem heutigen Nervenkostüm
noch zu den alten Konflikten? In einer kurzen und intensiven Kursarbeit
mit jungen Schauspielern beginne ich mit dem Lesen und Analysieren
der Szenen. Spielend, improvisierend löst man sich dann vom
Kontext, der Zeit und dem Ort des Stückes und erfindet neue
Situationen. Das Stück weiterdenkend, Fäden in die Gegenwart
webend, neue Szenen erfindend - so erweitert sich das methodische
Spektrum, mit dem man an einem Stück arbeitet. Es entsteht
ein virtuelles Stück, umfangreicher und beziehungsvoller
als das Original. Und natürlich braucht man eine Weltanschauung.
Jede neue Szene, die man entwickelt, ist auch eine Stellungnahme
gegenüber der Welt. Ohne schonungslose Selbsterkenntnis kann
man sich kein klares Bild von einer darzustellenden Szene machen.
In diesem Prozeß ist die Weiterentwicklung der schauspielerischen
Mittel eher ein beiläufiges Resultat."
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