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Regie
"Der Regisseur soll unsichtbar sein"
Rubén Szuchmacher, Regisseur und Schauspieler, Buenos Aires
(9 Tage)
Der Regisseur Rubén Szuchmacher ist ursprünglich
Musiker. Er studierte Klavier, dann Tanz und Choreographie. Seine
Inszenierungen in Schauspiel, Oper, Tanz- und Musiktheater werden
in großen Opernhäusern gezeigt oder touren durch Stadtbibliotheken.
Mit seiner eigenen Gruppe spielte und inszenierte er Steven Berkoff,
Harold Pinter und zuletzt Garcia Lorcas In seinem Garten liebt
Don Perlimplin Belisa, das im Juni 1999 auf dem Festival Theater
der Welt in Berlin zu sehen sein wird. Er hat einen Lehrauftrag
für Regie am Centro Cultural an der Universität Buenos
Aires.
"Ich möchte nicht auf der Bühne
sein. Was spricht, ist das Material. Der Text in Verbindung mit
der Situation, alles zusammen: die Schauspieler, dieser bestimmte
Raum. All das ist Material, nicht der Text allein, sondern alle
Bedingungen einer Arbeit. Daraus bilde ich eine Arbeitshypothese,
und in den Proben merkt man, ob es geht oder nicht. Ich sehe die
Welt als Musikinstrument. Die Klänge sind für mich wichtiger,
auch die Worte kommen aus dem Klang. Und dann versuche ich für
diesen Klang einen Körper zu finden. So wird jedes Stück
anders. Ich habe alles zur Verfügung: Musik, Tanz, Malerei.
In diesem Sinn bin ich ein postmoderner Regisseur, nicht im ideologischen
Sinn, sondern praktisch: ein praktischer Postmoderner."
In einem 'work in progress' wird in diesem Kurs an mehreren kleinformatigen
Stücken gearbeitet. Sie sollen nicht länger als 30 Minuten
dauern, nur wenige Figuren und ein unaufwendiges Bühnenbild
haben. Die Teilnehmer werden gebeten, selber solche Stücke
mitzubringen. Szuchmacher wird argentinische Minidramen vorstellen.
"Regieführen ist ein Job für
Feiglinge, für kleine Napoleons" Jan Ritsema, Regisseur,
Amsterdam (14 Tage)
Ritsema inszenierte Stücke von Shakespeare, Bernard-Marie
Koltès und immer wieder Heiner Müller, er dramatisierte
Erzählungen u.a. von James Joyce, Henry James, Virginia Woolf,
Rainer Maria Rilke und entwickelte Theaterabende gemeinsam mit
den Schauspielern. Er arbeitet außerdem mit Musikern, Tänzern
und bildenden Künstlern. Im letzten Jahr begann er plötzlich
zu tanzen, trat in einem Solo und in Meg Stuarts Choreographie
Crash Landing auf. In dem von ihm gegründeten International
Theatre Bookshop gab er über 400 Theater- und Kunstbücher
heraus. Er unterrichtet an verschiedenen Akademien in den Niederlanden
und an der Internationalen Schule von Anne Teresa De Keersmaeker,
P.A.R.T.S, in Brüssel.
Jan Ritsema liebt komplizierte philosophische Texte. Seine Regiearbeit
beginnt immer mit einer sorgfältigen Textanalyse, weniger
mit psychologischen Interpretationsversuchen. Die Probenarbeit
mit den Schauspielern ist ein langsames Sich-Anfüllen mit
Assoziationen und möglichen Bedeutungen, die hinter den Wörtern
liegen. Nicht das Wie-man-etwas-sagt oder das Was-man-zu-tun-hat
ist wichtig im Probenprozeß, sondern das Finden einer Einstellung,
eines Grundes, warum man ein Stück spielen will. Das Theater
passiert dann in jenem einzigartigen Augenblick, wo Denken und
Spielen zusammenfällt.
"Alle Menschen lügen geschickt,
sind Spezialisten im So-tun-als-ob, dabei wäre das eigentlich
die Basis der Schauspielerei. Da jeder das Spiel des So-tun-als-ob
beherrscht, ist es uninteressant, dies nochmals als eine Art Kunstvorgang
auf der Bühne herzustellen. In einer verlogenen Gesellschaft
kann man dem Theater als der Kunst der Lüge nicht mehr viel
abgewinnen. Die Kunst der Lüge muß sich also vielmehr
der Wahrheit bedienen. Das Theater soll enthüllen. Dazu muß
es erst einmal nackt sein, sich neue Formen suchen, die der Konfrontation
mit dem Scheinhaften angemessen sind."
In dem Kurs wird an mehreren kurzen Szenen gearbeitet, entweder
an Ritsemas Textvorschlägen, Shakespeares Hamlet und Heiner
Müllers Hamletmaschine, oder an Textmaterialien, die die
Studierenden vorschlagen. "Wir werden schnell arbeiten und
schnell denken, so daß man seine Handschrift entdecken und
entwickeln kann."
"Kleine Regelkunde für Regisseure"
Viviane De Muynck, Schauspielerin, Antwerpen (7 Tage)
Schauspielausbildung in Brüssel, u.a. bei Jan Decorte. Viviane
de Muynck spielt in den wichtigsten niederländischen und
belgischen Ensembles und Theatergruppen: Maatschappij Discordia,
Witte Kraai, Stuc, Toneelgroep Amsterdam, Zuidelijk Toneel, und
arbeitet immer wieder mit den Regisseuren Gerardjan Rijnders und
Jan Ritsema, unlängst auch mit Liz LeCompte von der New Yorker
Wooster Group. Seit 1993 spielt sie regelmäßig in Jan
Lauwers' Needcompany, zuletzt in der Snakesong-Trilogie und in
Macbeth.
Viviane De Muynck ist eine in der Zusammenarbeit mit eigensinnigsten
Regisseuren erfahrene Schauspielerin. Sie kennt die Problematik
des Schauspielers, der sich immer wieder mit einem anderen ästhetischen
Denken konfrontiert sieht, das ihm oft erst einmal fremd ist.
Die Schwierigkeiten der Kommunikation, der sprachlichen Vermittlung
zwischen zuschauendem Auge und handelndem Körper, ist ihr
Thema. Seit kurzem hat sie begonnen, ihre Reflexionen über
das Verhältnis Regisseur - Schauspieler an Studierende weiterzugeben.
"Talent, Intelligenz und Vorstellungskraft
sind unentbehrlich für unsere Arbeit, genauso wichtig jedoch
ist Offenheit, Humor und Klarheit in der Kommunikation zwischen
Regie und Schauspieler. Selbst wenn beide Seiten sehr begabt sind,
sind sie oft untalentiert in der Kunst der menschlichen Beziehungen.
Ein besseres Verständnis über den Stil, die Motive und
Bedürfnisse eines Schauspielers können dem Regisseur
helfen, dem Schauspieler im Probenprozeß genügend Futter
zu geben. Es muß ein Klima gegenseitigen Vertrauens etabliert
werden, in dem sich der Schauspieler frei fühlt, seine eigene
Kreativität zu erforschen. Wir werden an kurzen Szenen arbeiten,
und über die verschiedenen Stilrichtungen sprechen und die
offensichtlich widersprüchlichen Aufgaben, die den Spielern
oft gestellt werden. Und wir werden versuchen, Richtlinien für
den Umgang miteinander aufzustellen."
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