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Film
NATIONALGEFÜHL, IDENTITÄT
UND HEIMAT ALS USP (unique selling points)
Com&Com / Johannes
M. Hedinger, Schweiz
30. August - 19. September
UNITED COLOURS OF GERMANY. EIN WERBESPOT
FÜR DEUTSCHLAND
Com&Com sind Experten in der künstlerischen Stilisierung
allgemein akzeptierter Identitätsfallen wie Nationalwerte,
Nationalhymnen und Mythologien der Männlichkeit. Die Gruppe
arbeitet direkt an der medialen Oberfläche und poliert sie
dabei bis zur Schmerzgrenze auf Hochglanz. Es entstehen neue Werbespots,
Filmtrailer, Musik Clips. Unlängst wurde sogar eine ganze
Gemeinde zum Medienträger: Com&Com hatte für das
Städtchen Romanshorn eine urbane Legende erfunden, das "Mocmoc",
und ihm ein angemessenes Denkmal gebaut. "Vor knapp zwei
Jahren wurden wir zum Wettbewerb eingeladen und haben bald erkannt,
was dieser Stadt wirklich fehlte. Es war nicht so sehr die Kunst,
sondern Identität und eine eigene Geschichte." Das "Mocmoc"
kommt als Zwitter zwischen Einhorn und Fisch in kindgerechter
Pokemon-Ästhetik daher und erscheint denjenigen, die eine
städtische Identifikationsfigur geordert hatten, als Fake.
In Romanshorn herrschen seit der Errichtung des Denkmals erbitterte
Grabenkriege über den Wert inszenierter Mythenbildung.
In Berlin werden Com&Com einen Werbespot für Deutschland
aus der Sicht der in- und ausländischen StudentInnen realisieren,
in den unterschiedliche Haltungen zum eigenen Nationalgefühl
einfließen sollen. Innerhalb von drei Wochen werden in fünf
Kleingruppen Werbeclips oder Imagefilme entwickelt, gedreht, vertont
und geschnitten. Begonnen wird mit einer Recherche vor Ort, Analysen
und theoretischen Auseinandersetzungen, inspiriert durch Arbeitsdemonstrationen
und Vorträge von Gästen. Das Ergebnis wird ein DVD-Sampler
sein, der abschließend öffentlich vorgeführt wird.
Harun
Farocki und Hartmut
Bitomsky
03. September / 04. September
Folklore der Armut. Zweitägige Filmanalyse
am Schnittplatz
Das Ghetto ist heute ein Kulturmodell mit weltweiter Wirkung.
Nicht nur in der Popkultur gelten Afroamerikaner aus US-amerikanischen
Ghettos als Helden und modische Vorbilder. Tätowierungen
und Piercings sind aus dem Gefängnis heraus salonfähig
geworden; der Trend zur Sportbekleidung kommt aus der Zuhälterkultur.
Als hätten sie die Ansprüche des Hyperkapitalismus perfekt
verinnerlicht, scheinen Ghettobewohner immerfort innovativ und
trendy zu sein, die idealen Wirtschaftssubjekte.
Zur kritischen Reflexion dieser Armuts-Folklore werden im Kurse
Detailanalysen von zwei Filmen vorgenommen.
Bei den Teilnehmern sollten Grundkenntnisse im
Umgang mit der Kamera und/oder Schnitt und/oder Regie und/oder
Scriptschreiben vorhanden sein.
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