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Die Mobile Akademie Berlin 2004 ist ein Projekt von
Hannah Hurtzig und Hebbel am Ufer in Kooperation mit der Akademie der Künste. Gefördert vom Hauptstadtkulturfond.





Stipendienförderung: THEOREM
(European association supported by
the program Culture 2000 of the
European Union)
+ LOGO und Open Society Institute
Tadschikistan, Soros Foundation
Moldavien, Muzeum Ljubljana



Mit freundlicher Unterstützung von
Pro Helvetia (schweizerische
Kulturstiftung) den Goethe Instituten
Accra/Ghana, Moskau/Russland und
München (Zentrale) sowie der
Ilkhom Theatre School of Drama,
Taschkent/Usbekistan

 
Die Mobile Akademie: Berlin 2004 ist die Nachfolgerin der internationalen Theater-Akademie Ruhr, die 1999 in Bochum stattfand und nun mit neuem inhaltlichen Schwerpunkt nach Berlin übersetzt wird. Das Modell dieser Akademie verbindet ein interdisziplinäres Kursprogramm mit Feldforschung, Theorie und Aktionismus. In der Mobilen Akademie: Berlin 2004 werden nicht nur aktuelle Techniken und Methoden der Kunstproduktion vermittelt, sondern auch Strategien zur Vermeidung von Kunst und Künstlertum erprobt: Lernen bedeutet immer eine Konfrontation mit den eigenen Vorurteilen.

Fake Lore - who`s that Girl?

Fake Lore war in den 60er Jahren ein amerikanischer Kampfbegriff im feldspezifischen Einsatz der wissenschaftlichen Verteidigung einer wahren Folklore, für den "real stuff": Fakelore meinte Fake-Folklore. Schwer zu sagen, was der "real stuff" jemals war: die Gebrüder Grimm entdeckten tief im hessischen Land die echte illiterate Geschichtenerzählerin, der sie angeblich die Märchen von den Lippen ablasen. Obwohl sich schon bald herausstellte, dass es sich um eine belesene Dame der besseren Gesellschaft handelte, deren erste Sprache französisch war, blieb der Mythos der Grimmschen Märchen als volkstümliches deutsches Nationaldenkmal unwidersprochen. Aktuelle Forschungen beschäftigten sich mit der Herstellung, der gesellschaftlichen Funktion und den Aneignungsformen von Folklore. Das heißt: wer schreibt eigentlich, trotz ununterbrochenem Faken, Zitieren und Kopieren von Kultur, mit welcher nostalgischen Erwartung bestimmten Kulturäußerungen Glaubwürdigkeit und Tradition zu? Wir jedenfalls glauben, dass zum Beispiel die Band Kraftwerk wahre deutsche Folklore ist!

Definieren wir Fakelore für die Mobile Akademie als ein urbanes synthetisches Konstrukt aus erfundenen Traditionen, gefälscht und gebastelt, oft von nur kurzer Dauer und notwendig zur Generierung städtischer Identität: Eine urbane Folklore im gesellschaftlichen Hiat von alltagskultureller Normalität und nationalistischem Pathos, zwischen ethnischer Identität und der Ideologisierung sowie Mystifizierung des Fremden.
Die Akademie untersucht in Lehrveranstaltungen, praktischen Aufgabenstellungen, Feldforschungen, Aktionen und Präsentationen einige der kritisch gerupften Schlagwörter, die wir mit Fakelore in Verbindung bringen: Identität, Authentizität, kollektive Autorschaft, nationale Werte und Handwerk - und travestieren sie in einen (künstlerisch) operablen Vorgang. Es entstehen Schauspielszenen, musikalische Aufführungen, Werbespots, inszenierte Stadtführungen, Videoclips, Hörstücke und Interventionen im Stadtraum.

Ein Vortragsprogramm fragt u. a. nach der Mystifizierung ehemals revolutionärer Bewegungen als patriotistische Popfolklore, nach der Wiederkehr apokalyptischer biblischer Bildwelten in zeitgenössischen Kriegsszenarien, nach dem Einfluss der Voodoo Kultur auf die amerikanische Popkultur, nach der Mythenpflege von Traditionsmarken wie Mercedes Benz in Indien und Afrika oder nach der Wiederverwertung von Stammessymbolen in der Massenproduktion nigerianischer Video-Soaps. Gemeinsame Besuche von Vorstellungen und Künstlerstudios und speziell für die StudentInnen konzipierte Stadtführungen von Berliner Experten zum Thema Heimat/Fremde gehören ebenfalls zum Programmangebot.

Ort der Akademie ist das Hebbel am Ufer, ein "internationales Theaterkombinat im Stadtteil Kreuzberg, das sich der städtischen Realität öffnet und Raum schafft für die Ausdrucksweisen der verschiedenen nationalen communities," Die Mobile Akademie ist internationaler Treffpunkt und Netzwerk, ein Camp und ein in der Stadt agierendes aktionistisches Konzept. Circa 150 Beteiligte bilden eine "imagined community"auf Zeit, die sich in drei Wochen ein Bild ihrer selbst schafft und "real stuff" produziert.

Wir heißen Sie/Euch willkommen zu drei Wochen Arbeit an unbrauchbaren Lösungen für nicht-vorhandene Situationen!

Zeit- Organisationsplan
Die Mobile Akademie: Berlin 2004 findet vom 30. August bis 19. September 2004 im Hebbel am Ufer in allen drei Spielstätten sowie in der Akademie der Künste statt. Sie wendet sich an fortgeschrittene StudentInnen oder PraktikerInnen mit Projekterfahrungen. Es werden circa 90 StudentInnen aufgenommen. Das Akademieprogramm wird demnächst veröffentlicht und verschickt. Bewerbungsfrist ist der 15. Juni 2004; die Bewerbungsunterlagen müssen einen Lebenslauf und eine schriftliche Begründung/Motivation enthalten. Eine Fachjury entscheidet über die Aufnahme;. Pro Kurs sollen circa 15 Studentinnen aufgenommen werden.