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Schauspiel / Gesang
LIEBESSZENEN UND -LIEDER.
Chen
Shi-Zheng und Qian
Yi, USA / China
30. August - 06. September
HOW TO SING A LOVESONG
Für die Rekonstruktion der Oper "Pfingstrosen Pavillon"
aus der Ming Dynastie hatte Chen Shi-Zheng nur wenige Vorlagen
für einige Szenen. Ein Formenkanon musste für die 16
Stunden Oper erfunden und wieder entdeckt werden, der selbst die
heimlichsten und schüchternsten Momente der Verführung
und des Verführtwerdens darstellen konnte. Die künstliche
Expressivität und artistische Raffinesse des chinesischen
Opern- und Schauspielvokabulars wirkte wie ein Befreiungsschlag
für die westliche Gefühlsfolklore der Ehrlichkeit und
Konvention. Und das nicht nur auf der Bühne. Hierzulande
spricht man über die Liebe als Effekt biomechanischer Vorgänge,
als Produkt von Verkennungszusammenhängen und Projektionen
oder als Wiederholungsphänomen mit Regressionscharakter.
Als Gefühl scheint Liebe unausweichlich und als Leidenschaft
authentisch zu sein. Aber sind Authentizität, Ehrlichkeit
und Offenheit in der Liebe nicht pure Barbarei? Wie graziös,
anmutig und elegant sprechen wir die Sprache der Liebe wirklich?
Und wird in anderen Ländern schöner und gekonnter über
die Liebe gesungen und gesprochen?
Chen Shi-Zheng arbeitet in seinem Kurs mit Liebesliedern aus unterschiedlichen
Ländern. Er wird mit chinesischem Gestik- und Bewegungsmaterial
sowie chinesischer Stimmkunst hybride Interpretationen für
musikalische Liebesszenen mit den Studenten erarbeiten. Es gibt
die Möglichkeit, beim Liebeslieder-Wettbewerb am 11. September
öffentlich aufzutreten und zu gewinnen!
Jossi
Wieler Zürich / Berlin
07.- 19. September
WAHRE LIEBE, EHRLICHER VERRAT, FALSCHER
TOD.
In der Oper Norma von Vincenzo Bellini (UA 1831) findet sich eine
Fülle mythischer, folkloristischer und pathetischer Motive
sowie Urszenen, die die Frage nach ihrer heutigen Erzählweise
aufwerfen. Norma, die Mondpriesterin, in uralten Sitten und Gebräuchen
des Druidentums bewandert, ist die letzte subversive Bewahrerin
und Repräsentantin einer Frauenherrschaft und matriarchalischen
Gegenwelt im Zeitalter des Patriarchats. In unglücklicher
Liebe ist sie dem Feldherrn der römischen Besatzungsmacht
in Gallien verbunden. Ein Gegensatzpaar, das die dramatischen
Zustände einer schicksalhaften Liebe durchläuft: Entweihung,
Untreue, Verrat, Schuldgefühle, Mordwünsche und Selbstopfer.
Am Ende brennt ein Scheiterhaufen.
Wie erzählt man solche Dramen heute? Auf der Bühne
braucht man konkrete Situationen um Geschichten zu erzählen
und neu zu erfinden. Die Liebesgeschichte in Norma mag an den
Plot einer Soap erinnern; Mistelzweigrituale sind aus Asterix
und Obelix bekannt aus welchen kollektiven Bildarchiven bedienen
wir uns, welchen Erinnerungsspuren und Reflexen folgen wir, woher
kommen die Assoziationen, die wir im Versuch einer Neu- und Weitererzählung
alter Geschichten aufrufen und nutzen? "Die Stimme wird durch
etwas hervorgebracht, das nicht nur beseelt ist, sondern sich
dabei gleichzeitig etwas vorstellt" (Aristoteles). Und wann
ist dann der Augenblick gekommen, und welche Notwendigkeit muss
gegeben sein, dass die Stimme jenes vorstellungsbegabten Wesens
zum Gesang wird?
Der Kurs wird sich in Nacherzählungen, Szenenversuchen und
musikalischen Skizzen mit der Oper Norma beschäftigen und
anderen Beispielen des Musiktheaters und den Moment und Anlass
für den Wechsel vom Sprechen zum Singen zum Spielen erforschen.
KursteilnehmerInnen: SchauspielerInnen, die gerne
singen, SängerInnen, die gerne schauspielern und RegisseurInnen.
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