Foto: David von Becker / Zeichnung: Florian Stirnemann

Das Milieu der Toten. Teil 2: Die Leerstelle
Das Nachleben der Sklaverei und die Lücken der Archive

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4. & 5. Dezember 2017
Beginn 19.30 Uhr
Einlass 18.30 Uhr

St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 3, Berlin

In deutsch und englisch mit Simultanübersetzung

für 4.12.: Anmeldung (bis 1.12.)
für 5.12.: Anmeldung (bis 1.12.)

Begrenzte Anzahl von Sitzplätze in der mechanischen Arena. Wir bieten zusätzlichen einen Video-Live-Stream in der Villa Elisabeth an.

Filmprogramm:

She's Gotta Have It
30. November, 21.00 Uhr,
Treffpunkt: S-Bhf. Jannowitzbrücke. (In Zusammenarbeit mit HIT and RUN KINO)

Killer of Sheep
01.Dezember, 20.00 Uhr
Wolf Kino, Weserstraße 59

For Ahkeem
02. Dezember, 20.00 Uhr
St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 3

Mobile Akademie Berlin:
Konzept: Hannah Hurtzig, Marian Kaiser
Architektur: Florian Stirnemann
Filmkuratierung: Dorothee Wenner

Team:
Künstlerische Projektleitung: Eva Lämmerzahl, Laura Weber
Video: Phillip Hohenwarter
Recherche: Sonja Lau
Ton: Jonas Hinz
Dokumentation: N.N.
Übersetzung: Paul Bowman
Simultanübersetzung: Lilian-Astrid Geese, Sungur Bentürk
Veranstaltungsleitung: Philipp Hochleichter
Tribüne und Bühne: Bartmann Berlin
Tragkonstruktion in Stahl: Ertl & Zull
Schienensystem und Vorhang: Gerriets

Mit freundlichem Dank an:
Sarah Lewis Capellari, Alexandra Heimes, Gisela Lenthien, Siddharta Locanandi, Antke Engel, Institut für Queer Theorie;
 Moira Hille, Akademie der Bildenden Künste Wien; Khashayar Naderehvandi, Valand Academy Göteborg

Das „Milieu der Toten“ ist eine Produktion der Mobilen Akademie Berlin, koproduziert und veranstaltet von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, finanziert aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Vorschau 2018:
Das Milieu der Toten

Teil 3: Das atemlose Museum. Taxidermie und das sechste Artensterben
Mit u. a. Etienne Turpin, Anna Sophie Springer, Max Mönch, Alexander Lahl

Teil 4: Das ungeübte Ritual. Juristische, symbolische und diplomatische Akte vergangener Rückgaben

Seit 2010 erforscht die MAB die prekären Zonen zwischen Leben und Tod und erforscht das Milieu der Toten. Die Serie wird 2017-2019 fortgesetzt und kümmert sich um die Leerstellen und Abwesenheiten in den Archiven, Sammlungen und Ausstellungen in Zusammenarbeit mit dem Humboldt Forum in Berlin. Während die Ausstellungen des Humboldt Forums die Weltgeschichte anhand von Objekten und Artefakten präsentieren, inszenieren die Aufführungen der Mobile Akademie Berlin die Geschichten der Dinge und Wesen, die nicht gezeigt werden können oder sollten, deren Repräsentation scheitern muss.

Teil 2: Die Leerstelle
Die MAB hat die amerikanischen Autorinnen und Theoretikerinnen Saidiya Hartman und Christina Sharpe eingeladen, um ausgehend von ihren Büchern Lose Your Mother. A Journey Along the Atlantic Slave Route und In the Wake. On Blackness and Being die Unmöglichkeit der Beschreibung, Darstellung oder Historisierung von Sklaverei in den Blick zu nehmen. Ist es möglich die Leere und die Grenzen des Archivs der Sklaverei erzählend und imaginierend zu überschreiben?

Saidiya Hartman reiste in den 1990er Jahren durch Ghana auf der Suche nach Überresten einer Geschichte der Versklavten. Als footstep traveller folgt sie den alten Sklavenrouten, sie besucht die Kerker, liest historische Akten, Chroniken und Dokumente. Sie findet menschenleere Orte, verwaiste Landschaften, Schweigen: „to read the archive of slavery is to enter a mortuary“. Und selbst die Toten sind abwesend, denn „Afrika war das Land der Gräber ohne Leichen“. Die Geschichte und die Geschichten der Versklavten können nicht erzählt werden, weil ihre Lebenszeichen gelöscht wurden und weil diese Geschichte keine Vergangenheit ist, sondern eingeschrieben in die Gegenwart. Die Verluste wurden weitergegeben, sie bestimmen noch immer die Wirklichkeit Schwarzer Leben: „We live in the wake of slavery“ (Christina Sharpe), im Kielwasser der Sklavenschiffe auf der transatlantischen Route.

Hartmans Methode einer „Critical Fabulation“ nimmt die Leerstellen des Archivs und die Vergänglichkeit des Lebens der Versklavten zum Ausgangspunkt unmöglicher Geschichten, die zugleich die historischen und aktuellen Gründe der Unmöglichkeit reflektieren, sie zu erzählen. Christina Sharpe verwebt eine Vielzahl von Bildern und Motiven aus Poesie, Film, Kunst, historischen Dokumenten und aktuellen Newsreports, um die Immanenz der Geschichte der Sklaverei in gegenwärtigen „Black lives“ und „Black deaths“ in den Blick zu nehmen – „a past not yet past, in the present.” Beide Bücher umkreisen die Unmöglichkeit, das „atemlose Archiv der Sklaverei“ (Sharpe) zu beschreiben und reflektieren auf die systemischen Bedingungen, die diese Situation in die Gegenwart verlängert haben. Hartman versammelt einen Chor von Stimmen, bis sie sich erlaubt, ihre eigene Erzählung dessen, was gewesen sein könnte, dem hinzuzufügen, was sie nicht gefunden hat. Sharpes Schreiben betreibt Theorie als eine Poetologie, die auffordert, anders zu lesen, zu sprechen und zu imaginieren. Sie verfolgt Begriffe und Motive in Repetitionen und Variationen durch die Geschichte hindurch und verwebt sie zu verdichteten theoretischen und poetischen Mustern.

Ein Echo vielstimmiger Sprechakte antwortet den beiden Autorinnen an den zwei Abenden:
Theoretikerinnen kommentieren in überquellenden Fußnoten ausgewählte Text- und Bildmotive aus den Büchern, eine Performerin und eine DJane rezitieren Textpassagen in einer Spoken Word Performance und Expert*innen aus der Ausstellungspraxis und -theorie geben Responses, die überlegen, was die Ideen von Hartman und Sharpe für (post-)ethnografische Weltmuseen bedeuten könnten. Welche Hinweise können Literatur und Theorie für die Kuratierung von Sammlungen und Ausstellungen geben?
Für die Serie Das Milieu der Toten schlägt die Mobile Akademie an wechselnden Orten in Berlin ein Wandertheater auf (Konzept: Hurtzig / Architektur: Stirnemann / Produktion: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss). In einer eigens für die Veranstaltungsreihe entworfenen mechanischen Arena, einer Hörmuschel, die die Zuschauer*innen und Protagonist*innen abwechselnd ein- und ausschließt, kann man den Toten und ungehörten Geschichten lauschen (im Berliner Volksmund auch Humboldt-Schnecke genannt).
(Hurtzig/Kaiser)

Montag, 4.12.

19.30
Präsentation: Saidiya Hartmann: Lose Your Mother. A Journey Along the Atlantic Slave Route

20.00 Fußnoten:
*1: (Nicht)Darstellbarkeit
Anhand von Beispielen aus Museen in Liverpool und London und deren Einsatz von Dokumenten, Schriften, Erzählungen, politischen Anschuldigungen und Angeboten zur Einfühlung in das Thema, fragt Ulrike Bergermann: Wie spricht das Museum, durch Raum, Ausstellungsdesign und Objekte von der Sklaverei? (Ulrike Bergermann)

*2: Historiographie für emanzipatorische Bewegungen
Wie kann man Historiographie so betreiben, dass sie sich den Dringlichkeiten der Gegenwart annimmt und zugleich die Zukunft offenhält. Wie können wir Geschichte so erzählen, dass die Vergangenheit unsere politische Gegenwart verändern kann? Wie kann ich über Musik schreiben, die ich noch nie gehört habe, die aber vor 250 Jahren Köpfe und Körper kolonisierte? (Karin Harrasser)

*3: Zombi
Geschichten über die Karibik definieren den Zombi als einen lebenden Toten, dessen Seele geraubt wurde, um ihn nach Tod, Begräbnis und Wiederauferstehung als Sklaven arbeiten zu lassen. Die Erzählungen haben den Zombi als eine Figur geformt, die die Erinnerung der Versklavung weitergibt. (Gudrun Rath)

20.30 Pause

ca. 20.45
Response 1
Wayne Modest fragt nach dem Einfluss kritischer Theoriebildung auf die Kuratierung ethnographischer Museen. Ausgehend von seiner Arbeit als Forscher und Kurator, denkt er darüber nach, wie mit dem schwierigen Erbe und der „postkolonialen Beklemmung“ umgegangen werden kann, die zeitgenössische europäische Sammlungen und Institutionen umtreibt. (Wayne Modest)

Response 2
Das Museu AfroBrasil in Sao Paulo ist ein künstlerisches und ethnographisches Museum, das sich der Erforschung, Erhaltung und Ausstellung von Objekten und Werken Schwarzer Kultur in Brasilien widmet. Der Philosoph und Kurator Etienne Turpin beschreibt, warum dieses Museum das beste ist, das er je gesehen hat. (Etienne Turpin)

Ende ca. 22.00

Dienstag, 5.12.

19.30
Präsentation Christina Sharpe: In the Wake. On Blackness and Being

20.00
Fußnoten:
*1: Ästhetik und Affekt

Die Fußnote beschäftigt sich mit dem Wechselverhältnis von historischen Archiven und zeitgenössischen Affekten und den Einfluss dieses Wechselverhältnisses auf die Ästhetik des Schreibens über Sklaverei. Wie reflektiert der kritische, poetische, essayistische, kollektivistische, assoziative Text von Sharpe das Nachleben der Sklaverei? (Elahe Haschemi Yekani)

*2 & *3 Rezitation/Spoken Word
Die Performancekünstlerin Goitseone Montsho und die Berliner DJ İpek lesen Texte aus Christina Sharpes In the Wake und dem Langgedicht Zong! der kanadischen Poetin M. NourbeSe Philip. (Goitseone Montsho & İpek İpekçioğlu)

Pause ca. 20.30

Ca. 20.45
Response 1
Clémentine Deliss diskutiert die ungelöste Situation, in der sich ethnographische Museen in Europa befinden. Sie argumentiert, dass diese kolonialen Institutionen, die derzeit in Diskussionen darüber feststecken, wie ausgestellt werden sollte, stattdessen einen radikalen Übergang zu  "Museums-Universitäten" vollziehen müssen. Indem Künstlern und Forschern verschiedener Disziplinen und Kulturen Zugang zu sogenannten ethnographischen Sammlungen gestattet wird, können neue Formen der Untersuchung und Interaktion entwickelt werden, die zwischen rigoroser transdisziplinärer Forschung, innovativer ästhetischer Praxis und Testfällen aus Recht, Wirtschaft und Mediation stattfinden. (Clémentine Deliss)

Response 2
Das Museu AfroBrasil in Sao Paulo ist ein künstlerisches und ethnographisches Museum, das sich der Erforschung, Erhaltung und Ausstellung von Objekten und Werken Schwarzer Kultur in Brasilien widmet. Der Philosoph und Kurator Etienne Turpin beschreibt, warum dieses Museum das beste ist, das er je gesehen hat. (Etienne Turpin)

Response 3
Friedrich von Bose fragt in seiner Fußnote nach dem (ver-)störenden Potenzial der Leerstellen im Archiv für die Ausstellungspraxis. Wie können wir diese Leerstellen thematisieren und gleichzeitig offen halten für zukünftige Interpretationen und Narrative? Wie verhalten sie sich zu den vollen Museumsdepots, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen? Wie kann die Kritik am Museum in die Ausstellung eingehen, ohne dabei ihre transformative Kraft zu verlieren? (Friedrich von Bose)

Ende ca. 22.00

Protagonist*innen
Saidiya Hartman ist Professorin für Englische Literatur und Komparatistik an der Columbia University New York, spezialisiert auf afro-amerikanische Literatur, Geschichte und Theorie. Ihr Schreiben bewegt sich zwischen Geschichtsschreibung, Theorie und Literatur in einer Methode, die Hartman als „Critical Fabulation“ bezeichnet. Kritisches Fabulieren weigert sich, die Lücken und Leerstellen des Archivs der Sklaverei mit einer eindeutigen Historiographie zu überzeichnen und abzuschließen. Ein Anschreiben mit dem Archiv gegen das Archiv, um die unmögliche Geschichten der Versklavten zu erzählen, und zugleich von der Unmöglichkeit, ihre Geschichte und Geschichten aufzuschreiben. Saidiya Hartman ist Autorin von Scenes of Subjection: Terror, Slavery, and Self-making in Nineteenth Century America (1997) und Lose Your Mother: A Journey Along the Atlantic Slave Route (2006). Ihr neues Buch, Wayward Lives, Beautiful Experiments, erscheint Ende diesen Jahres.

Christina Sharpe ist Professorin für Englische Literatur an der TuftsUniversity und arbeitet zu Black Visual Studies, Afroamerikanischer Literatur und Kultur, Black Queer Studies und Black Diaspora Studies. Sie ist Autorin zweier Monographien über das Nachleben der Sklaverei in der heutigen Kultur und Gesellschaft: Monstrous Intimacies: Making Post-Slavery Subjects (2009) und In the Wake: On Blackness and Being (2016). Letzteres verfolgt im Rahmen einer „Orthography of the Wake“ literarische, visuelle, kinematographische und alltägliche Repräsentationen schwarzen Lebens. „Wake“ bedeutet hier nicht nur das „Wachen“, wie z. B. die Totenwache oder das Erlangen von Bewusstsein, sondern bezeichnet auch das „Kielwasser“, die flüchtige Spur und den Sog, die Schiffe im Wasser hinterlassen. Die verschiedenen Register des Begriffs zeigen, wie Schwarze Leben noch immer von der Geschichte und Wirklichkeit des transatlantischen Sklavenhandels heimgesucht werden – und was trotz der insistierenden Gewalt und Negation zu überleben vermag.

Fussnoten
Ulrike Bergermann ist Professorin für Medienwissenschaft mit Schwerpunkten in Gender und Postcolonial Studies an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Derzeit forscht sie zu Figuren und Dingen aus dem Hidden Atlantic und zu den Persistenzen und Nachwirkungen der Kolonialität bis in die Gegenwart. Zu ihren jüngsten Publikationen zählt der Aufsatz Zucker und Shame über die Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“ im Deutschen Historischen Museum.

Dr. Clémentine Deliss ist Kuratorin, Publizistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie studierte Kunst und semantische Anthropologie in Wien, Paris und London. Sie beschäftigt sich mit globalen Künstlernetzwerken, der Revision ethnografischer Sammlungen und der Artikulation künstlerischer Praxis in alternativen Bildungs- und Publikationsformen. Sie ist derzeit Gastprofessor an der École nationale supérieure d'arts de Paris-Cergy und Visiting Researcher am Institut national d'histoire de l'art, Paris. Sie lebt in Berlin.

Karin Harrasser ist Professorin für Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität Linz. In der MAB ist sie Expertin für den homo protheticus, Parahumanität und all die vielfältigen Verhältnisse von Körpern, Technologien und Medien. Sie arbeitet gegenwärtig zur Dekolonisierung von politischen Medien und Affekttechniken, z. B. durch musikalische Regierungspraktiken in Südamerika im 17. und 18. Jahrhundert. Ihre Übersetzung von Donna Haraways letztem Buch Staying with Trouble erscheint in Kürze bei Campus.

Elahe Haschemi Yekani ist Professorin für Englische und Amerikanische Literatur und Kultur mit Schwerpunkt Postcolonial Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zurzeit beendet sie die Arbeit an ihrem Buch Familial Feeling: Queer Entanglements between Early Black Atlantic Writing and the Rise of the British Novel, in dem sie kanonische Romane des 18. und 19. Jahrhunderts z. B. von Daniel Defoe den ersten schriftlichen Selbstzeugnissen Schwarzer britischer Autor*innen wie Olaudah Equiano gegenüberstellt.

İpek İpekçioğlu aka DJ Ipek lebt als DJane, Produzentin und Autorin zwischen Berlin, Istanbul und arbeitet in Clubs und Festivals auf der ganzen Welt. Ihre Arbeit hat eine starke politische Agenda zu Fragen von Gender, Queerness, Migration und folgt einem unbedingten Prinzip kultureller Vielfalt: Die „Königin von Eklektik BerlinIstan“ mischt psychedelischen türkischen Funk mit Disco, Balkanfolk, Minimal, anatolischem Folk, Deep House, KurdishHalay, Elektro, bhangra, moombahton, dabke, reaggaton, twerk, iranischenBandari und Techno.

Wayne Modest ist Leiter des Forschungszentrums für materielle Kultur, dem Forschungsinstitut des Tropenmuseums, des Volkskundemuseums, des Afrikamuseums und des Weltkulturenmuseums in den Niederlanden. Er ist zudem Professor für Materialkultur und Critical Heritage Studies an der Vrije Universiteit Amsterdam. Im Zwischenbereich von Forschung und Museumskuratierung beschäftigt sich seine Arbeit mit der Geschichte ethnographischer Sammlungs- und Ausstellungspraxis und ihrem kolonialen Erbe, insbesondere dem der Sklaverei.

Goitseone Montsho ist Geschichtenerzählerin. Sie nutzt mündliche Traditionen für aktivistische Zwecke und verbindet Erzählungen mit Performancekunst, um unbekannten Geschichten eine Stimme zu geben. Ihre Poesie ist inspiriert von Tochter-Mutter-Beziehungen und den vielen Schattierungen, die solche Allianzen entwerfen können, sie ist geprägt von schwarzen weiblichen Erfahrungen und dem Engagement, der nächsten Generation bessere Erfahrungen zu ermöglichen.

M. NourbeSe Philip ist eine kanadische Dichterin, Schriftstellerin und Anwältin. Ihr Langgedicht Zong! basiert auf historischen juristischen Dokumenten vom Ende des 18. Jahrhunderts, die sich auf die berüchtigte Ermordung afrikanischer Menschen an Bord des gleichnamigen Sklavenschiffs beziehen. In einer Sprache, die singt, flucht, klagt und heult kollidieren in Zong! Gedächtnis, Geschichte und Gesetz und verwandeln sich in poetische Fragmente.

Dr. Gudrun Rath ist Kulturwissenschaftlerin an der Kunstuniversität Linz mit Forschungsschwerpunkten zu Erinnerungspolitiken und Kulturtheorien. Gegenwärtig forscht sie zu historischen, transatlantischen Narrativen des Untoten, insbesondere dazu, wie Zombie-Figuren die Erinnerung an Kolonialismen und Versklavung, aber auch an Rebellion, weitergeben. Unter dem Titel Zombies hat sie unter anderem eine Sonderausgabe der Zeitschrift für Kulturwissenschaft herausgegeben.

Dr. Etienne Turpin ist Philosoph, Kurator und Gründungsdirektor von anexactoffice, einem Atelier für Designforschung in Jakarta und Berlin. Mit Anna-Sophie Springer leitet er Reassembling the Natural, eine Serie von Ausstellungen und Publikationen über den kolonialen Willen zum Wissen. Ihre Ausstellung Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald im Naturhistorischen Museum Hamburg (Eröffnung 18.11.) setzt sich mit dem Erbe europäischer Naturwissenschaftler in Amazonien und dem malaiischen Archipel auseinander.

Friedrich von Bose ist Kulturanthropologe und am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der HU Berlin Kurator für das Humboldt-Labor im Humboldt Forum. In seiner Arbeit interessiert er sich insbesondere für die Möglichkeiten der Verbindung kritischer Wissensproduktion und reflexiver Ausstellungspraxis. Seine Ethnographie über die frühe Planungsphase des Humboldt Forums erschien 2016 im Kadmos Verlag.

Was man nicht sehen kann, darüber kann man sprechen. Was man nicht wissen kann, darüber sollte man unbedingt sprechen. In aller angebrachten Zweideutigkeit, erzählend, fabulierend und halluzinierend. So pflegt man Beziehungen zu Dingen und Wesen, die nicht anwesend sind.
(Das Milieu der Toten, 2010)